Resilienz

Resilienz – Was ist damit gemeint?

Das Thema „Resilienz“ ist nicht erst seit der Corona-Krise in aller Munde. Dabei erscheint das was gemeint ist, wenn von Resilienz gesprochen wird, oft vielsagend. Zunehmend wird der Begriff auch als modisches Marketingwort verwendet, um bekannten Sichtweisen ein neues Gewand zu geben1. Deswegen lohnt es sich, die Bedeutung klarer zu umreißen. In einzelnen Fachwissenschaften von physikalischer Materialforschung über Psychologie bis zu den Sozialwissenschaften wird der Begriff unterschiedlich gebraucht. Grundlegend kommt der Begriff vom lateinischen resilire, das soviel wie abprallen oder zurückspringen bedeutet. Disziplinübergreifend lassen sich drei häufige Gemeinsamkeiten in der Begriffsverwendung ausmachen: 

  • Es geht um die Reaktion auf ein abrupt auftretendes Ereignis (Störung, Schock, Katastrophe, Stress) und nicht um allmähliche graduelle Veränderungen (wie z.B. Klimaveränderungen)
  • Die Störung kommt von außerhalb des Systems. Sie ist nicht Teil der Gleichgewichtseigenschaften.
  • Resilienz ist etwas anderes als Prävention. Bei einer Resilienzentwicklung geht es nicht darum, mögliche Krisen zu verhindern. Proaktive Maßnahmen zielen vielmehr auf die Krisenbewältigung ab.1
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Drei Kernfähigkeiten machen resiliente Systemen aus

In einem Dossier der Fraunhofergesellschaft2 wird Resilienz so definiert: 

„Resilienz bezeichnet die Fähigkeit soziotechnischer Systeme, Schocks und Störereignisse zu absorbieren und Kernfunktionalitäten aufrecht zu erhalten bzw. schnell wiederherzustellen sowie aus Erfahrungen zu lernen und sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen.“ 

Schauen wir uns diese Definition genauer an. Darin wird Resilienz für soziotechnische Systeme mit drei zentralen Fähigkeiten beschrieben. Mit soziotechnischen Systemen sind dabei beispielsweise Unternehmen oder Lieferketten gemeint, also Strukturen in denen Menschen zielgerichtet mit Technologien agieren. Die drei Kernfähigkeiten2 sind: 

  1. Flexibilität und Schnelligkeit: In unterschiedlichen Schocksituationen ist das resiliente System in der Lage schnell und flexibel auf das Störereignis zu reagieren, um die Folgen zu minimieren. Es stehen ausreichend Redundanzen zur Verfügung, also alternative Möglichkeiten um die wichtigsten Funktionen des Systems aufrechtzuerhalten. So werden Ausfälle kompensiert und Kaskadeneffekte verhindert, bei denen die Störung in einem Bereich sich auf andere Bereiche und letztlich auf das ganze System auswirken kann.
  2. Antizipations- und Anpassungsfähigkeit: Durch eine Kombination aus technischen, ökonomischen und organisatorischen Instrumenten gelingt es resilienten Systemen sich an ihre wandelnde Umgebung anzupassen. So werden auch schleichende Belastungen und Stressoren früh erkannt und proaktive Maßnahmen eingeleitet.
  3. Innovations- und Lernfähigkeit: Resiliente Systeme verhalten sich vor, während und nach einem Störereignis dynamisch und proaktiv. Sie lernen aus der Krise und streben nach Weiterentwicklung und nicht nach einem „Zurück“. Dazu durchlaufen sie nötige Transformationsprozesse.
Unsere Städte und Lieferketten sind soziotechnische Systeme, deren Komplexität zunimmt. Foto von Denys Nevozhai/Unsplash

Was ein Unternehmen braucht, um resilienter zu werden

Für Unternehmen geht es also darum, welche Maßnahmen sie heute ergreifen können, um sich bei zukünftigen Krisen und Schocks schnell erholen und anpassen zu können sowie aus der Situation zu lernen und sich weiterzuentwickeln.

Um die beschriebenen drei Kernfähigkeiten der Resilienz eines Unternehmens zu stärken, sollte die vorhandene Resilienz umfassend zuerst aus möglichst unterschiedlichen Perspektiven analysiert und darauf aufbauend auch die Maßnahmen ganzheitlich entwickelt werden. Einzelmaßnahmen, die nur Teile eines Systems betreffen, reichen nicht aus.

Es geht darum, ein umfassendes Verständnis des eigenen Systems zu erlangen. Wie hängen einzelne Komponenten miteinander zusammen? Welche wechselseitigen Abhängigkeiten gibt es mit externen Stakeholdern? Eine Integration unterschiedlicher Perspektiven kann in einem sozio-technischen System, wie einem Unternehmen, z.B. eine sozialwissenschaftliche und eine technische umfassen. So hängt die Resilienz eines IT-Systems einerseits von dem Verhalten der bedienenden Menschen und anderseits von der vorhandenen Hard- und Software ab.2

 

Da sich Unternehmen und Systeme stetig verändern so wie ihre Umgebungen, ist Resilienz keine statische Eigenschaft. Vielmehr kann das Konzept helfen, fortlaufende dynamische Transformationsprozesse wie die Digitalisierung proaktiv zu gestalten.

 

 

Noch mehr zum Thema Resilienz finden sie auf unserer Informationsdrehscheibe unter Zahlen, Daten, Fakten in der Rubrik ‚Resilienz’. Dort stellen wir einzelne Veröffentlichungen mit ihren Kernaussagen vor.

Quellen:

1 Bertelsmann Stiftung (Hrsg.), Brinkmann, Arendt, Heinemann, Nover. Ökonomische Resilienz – Schlüsselbegriff für ein neues wirtschaftspolitisches Leitbild?. Gütersloh 2017

2 Resilienz – Ein Fraunhofer-Konzept für die Anwendung. Fraunhofer-Gesellschaft e.V. München 2021  

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