Digitales Bezahlen

Digitales Bezahlen beim Einkaufen war für Verbraucher in Deutschland im Wesentlichen über vier Schienen umgesetzt:

  1. Bezahlen per Debitkarte im Geschäft mit oder ohne PIN: Dies macht etwa 44 Prozent der Umsätze im stationären (Einzel-)Handel aus. Girokarten bieten dem Benutzer einen Überblick über die eigenen Finanzen nahezu in Echtzeit an. Alle Zahlungen belasten das Girokonto einzeln und sind mit wenig Verzögerung im Online-Banking sichtbar.
  2. Bezahlen (und Reservieren) mit Kreditkarten, zum Beispiel Visa: Dies ermöglicht Bezahlen auch im Internet und ist zum Beispiel für Hotelreservierungen beinahe alternativlos. Debitkarten sammeln Buchungen über eine Zeitraum, etwa monatlich, und buchen die Summe der Periode beim Referenz-Girokonto, sodass Benutzer bis zur Buchung im Unklaren über ihre finanzielle Situation bleiben.
  3. Bezahlen per spezialisierten Online-Überweisungsdienstleistern für das Internet, zum Beispiel Paypal.
  4. Bezahlen per Smartphone oder Smartwatch: Hier dominieren GooglePay und ApplePay, die beide in den vergangenen zwei Jahren viele Banken für eine Zusammenarbeit gewinnen konnten. Sparkassen und Banken bieten dafür eine eigene App an. Diese kontaktlose digitale Zahlungsmethode verwendet Near Field Communication (NFC) als Verbindung zur Kasse. Die Reichweite dieser elektromagnetischen Induktionstechnik ist auf wenige Zentimeter beschränkt.

Als noch nicht viele Banken und Einzelhändler kooperierten, war das System von VIMPay sehr attraktiv. Denn dabei lädt der Nutzer das VIMPay-Konto auf und die App verwendet bei der digitalen Zahlung einen funktionierenden Standard. Gegebenenfalls zahlt VIMPay auch über GooglePay oder ApplePay an der Kasse.

Kenia setzt auf einfache mobile Bezahlmethode

Laut einer Studie der Bundesbank (2017) hatten nahezu 100 Prozent der Befragten eine Debitkarte und mehr als ein Drittel eine Kreditkarte. Einer Studie aus dem Jahr 2021 zufolge benutzen inzwischen 61 Prozent der Deutschen kontaktloses Bezahlen. Mehr als ein Fünftel bezahlen per Smartphone oder Smartwatch. GooglePay und ApplePay scheinen in der Beliebtheit etwa gleichauf zu liegen.

In manchen afrikanischen Ländern erreicht eine einfachere Form des Bezahlen per Mobiltelefon seit Jahren großen Marktanteile: Bei M-PESA lädt der Nutzer eine SIM-Karte mit Geldwerten auf und kann diese bei M-PESA-Agenten für Zahlungen, Überweisungen oder zur Bargeldauszahlung nutzen. Kenia hat beispielsweise 40.000 M-PESA Agenten. Zur Übertragung von Geld wird einfach der Code des Empfängers eingegeben. Im Jahr 2015 nutzten etwa zwei Drittel der Kenianer diesen 2007 eingeführten Bezahldienst und etwa ein Viertel des Bruttosozialprodukts wurden darüber abgewickelt. Begünstigt wurde dies durch geringe Ansprüche an die Infrastruktur. M-PESA erfordert keine Kartenautomaten, wie sie in den meisten deutschen Geschäften üblich sind, und auch keine Geldautomaten.

Mastercard und Visa forcieren USA-System für Deutschland

Die Ankündigung des baldigen Aus für Meastro-Funktionen auf Girokarten ab Juli 2023 und der ebenfalls erwartete Rückzug des Konkurrenten V-Pay macht Girokarten weniger zukunftsträchtig. Denn ohne Maestro oder V-Pay funktionieren Girokarten im Ausland nicht. Die Anbieter Mastercard und Visa wollen offenbar dem in den USA erfolgreichen Prinzip der Kreditkarte hierzulande zum Durchbruch verhelfen und dabei die Anteile hiesiger Privatkundenbanken an der Finanzdienstleistung minimieren.

Die European Payment Initiative (EPI) wird vielleicht eine Alternative schaffen, mit der – getragen vom europäischen Finanzsektor – das digitale Bezahlen in Präsenz, Online und auch Hotelreservierungen möglich wären. Damit würde sich die europäische Finanzwirtschaft von amerikanischen Finanzdienstleistern unabhängiger machen und die Margen aus den Umsätzen selbst vereinnahmen. Die EPI müsste europäischen Datenschutz von Anfang an konzeptionell berücksichtigen. Zudem wäre es möglich, Lehren aus der bisherigen Entwicklung zu ziehen.

Autor: Dipl.-Ök. B.Eng. S. Ortmann