KfW-Digitalisierungsbericht: Mittelstand bei Digitalisierungsaktivitäten in der Krise zwiegespalten

Die KfW-Bank analysiert in ihrem aktuellen Mittelstandspanel die Entwicklung der Digitalisierungsaktivitäten in kleinen und mittleren Unternehmen. Um den Verlauf während der Corona-Krise genauer zu untersuchen wurden bis Januar 2021 für diese repräsentative Studie insgesamt 9.889 Unternehmen teilweise auch zu mehreren Zeitpunkten befragt. Wir stellen die wichtigsten Ergebnisse vor.

 

Unternehmen entwickeln sich in der Krise auseinander

In einem Teil des Mittelstands hat die Krise anscheinend für einen Schub der Digitalisierungsbemühungen gesorgt. So geben 33 % im Januar 2021 an, ihre Aktivitäten gesteigert zu haben. Nur 5% haben ihre Aktivitäten verringert. Allerdings führt auch ein relativ hoher Anteil von 33% der Unternehmen „unverändert keine Digitialisierungsmaßnahmen“ durch. Daran lässt sich eine gewisse Spaltung zwischen den Unternehmen erkennen.

Diese Spaltung zieht sich einerseits entlang der Stärke der Betroffenheit von der Krise als auch der Unternehmensgröße. Größere Mittelständler mit mehr als 50 Beschäftigten haben mit 58% deutlich häufiger ihre Aktivitäten gesteigert als kleine mit weniger als 5 Beschäftigten (32%). Zurückzuführen ist das laut der Forschenden darauf, dass kleine Mittelständler deutlich häufiger existentiell von der Krise betroffen sind als größere Mittelständler.

 

FuE-Treibende stärken ihre Resilienz

Unternehmen, die in den vergangen Jahren Forschung und Entwicklung betrieben haben, weiten in der Krise ihre Digitalisierungsaktivitäten eher aus als Unternehmen ohne eigene FuE (54% vs. 31%). Die Forschenden sehen darin eine Fortsetzung einer längeren Entwicklung. Unternehmen mit verstetigten Prozessen zur Entwicklung und Einführung von Innovationen, also eigener FuE, behalten solche Aktivitäten, zu denen auch Digitalisierung gehört, in Krisen eher bei oder steigern diese sogar. Dadurch stärken sie nicht nur ihre Resilienz, sondern sie können auch aus einer Krise mit einem Wettbewerbsvorteil hervorgehen. Ob Unternehmen Forschung und Entwicklung betreiben, hängt tendenziell stark von ihrer Größe ab, welche somit also auch Einfluss auf das Ausmaß an Digitalisierungsaktivitäten hat.

 

Digitalisierung der Kontakte wiederholt am häufigsten

In der Studie wird auch untersucht, welche Arten von Digitalisierungsvorhaben durchgeführt wurden. Dabei gab es kaum Veränderungen zu den Befragungen der Vorjahre. Die mittelständischen Unternehmen digitalisieren am häufigsten ihre Kontakte zu Kunden und Zulieferern (55%). Darunter könnten neugestaltete Internetanwendungen, -auftritte, -bezahlsysteme oder auch ein automatisierter Datenaustausch in der Wertschöpfungskette fallen. Ebenfalls sehr häufig sind mit 51% Vorhaben, die die Erneuerung der IT-Strukturen bzw. neue IT-Anwendungen betreffen. Am dritthäufigsten sind Projekte zum Aufbau von Knowhow mit 40%. Dazu zählen Beratungsdienstleistungen oder Weiterbildungen zum Thema Digitalisierung. Interessanterweise sind Vorhaben, welche die „Digitalisierung von Produkten und Dienstleistungen“ betreffen, laut dieser Befragung im Vergleich seltener (31%).

 

Ausgaben für Digitalisierung stark von Unternehmensgröße abhängig

Unternehmen mit weniger als 5 Beschäftigten (dies sind 81% der mittelständischen Unternehmen) haben im Jahr 2019 durchschnittlich Digitalisierungsausgaben circa 8.300€ gehabt. Diese Ausgaben steigen in der Statistik mit der Zahl der Beschäftigten auf circa 139.200€ bei mittelständischen Unternehmen mit 50 und mehr Beschäftigten (dies sind 2% der Mittelständler). Dass kleine Unternehmen geringere Ausgaben haben als größere verwundert nicht, da sie ja auch beispielsweise einen geringeren Bestand an Hard- und Software haben dürften. Allerdings haben die kleinen Unternehmen im Verhältnis zu ihrem Jahresumsatz überdurchschnittlich hohe Digitalisierungsausgaben und sind somit durch die Digitalisierung stärker belastet als größere Unternehmen.

 

Zur vollständigen Studie, die auch Forderungen an die Politik formuliert (S. 23-24) und ausführlichere Vergleiche zu den Vorjahresstudien enthält, gelangen Sie hier:

https://www.kfw.de/KfW-Konzern/Newsroom/Aktuelles/News-Details_638976.html

https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Digitalisierungsbericht-Mittelstand/KfW-Digitalisierungsbericht-2020.pdf

Quelle: KfW-Digitalisierungsbericht Mittelstand 2020.

 

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