Ist Corona ein Katalysator für Digitalisierung und erhöht sich dadurch die Resilienz in der Logistik?

In dieser Studie befassen sich Forscher der Technischen Universität Hamburg damit, inwieweit die negativen Auswirkungen der Corona-Krise auf die Lieferketten von Unternehmen diese dazu veranlasst haben, mehr Transparenz und Digitalisierung in ihren Lieferketten anzustreben. 

Befragt wurden 108 Mitglieder der Logistikinitiative Hamburg. Dementsprechend setzt sich die Stichprobe zu einem Großteil (79%) aus Logistikdienstleistern und einem kleineren Teil (21%) aus Industrie- und Handelsunternehmen zusammen. Mit 69% stammen die Befragten überwiegend aus KMU, 31% aus Großunternehmen.

Digitalisierung in Unternehmen differenziert betrachten

Die Autoren stellen heraus, dass bei der Frage, ob die Corona-Krise die Digitalisierung der Unternehmen vorantreibt, selten unterschieden wird: Geht es um eine Digitalisierung von Geschäftsprozessen oder geht es um weitreichende Maßnahmen bis hin zur Entwicklung von neuen Geschäftsmodellen? 

Den Ergebnissen nach steht die Erhöhung von Investitionen in die Digitalisierung der Geschäftsprozesse im Vordergrund. Dies planen 77% der befragten KMU. Im Bereich Künstliche Intelligenz planen mit 35% vergleichsweise wenige KMU zu investieren. Großunternehmen sehen hingegen mit 51% deutlich häufiger eine Erhöhung der Investitionen im Bereich KI vor. Andersherum sieht es bei der Entwicklung von neuen Geschäftsmodellen aus. Dort wollen eher die KMU (63%) als die Großunternehmen (49%) ihre Investitionen erhöhen. Die Autoren schlussfolgern, dass die Unternehmen einerseits ihre bisherigen Prozesse krisenfester gestalten möchten und sich andererseits auch strategisch neuen Gegebenheiten anpassen. 

Benötigte Daten aus der Lieferkette nicht ausreichend verfügbar, aber Verbesserung seit der Krise 

Von den befragten Unternehmen benötigen 61% Bedarfsprognosen aus der Lieferkette. Schaut man sich nur diese Gruppe an, hatten davon wiederum 64% vor der Corona-Krise bereits Zugang zu diesen Daten. Immerhin 10% haben seit der Krise den benötigten Zugang. Allerdings fehlt 25% nach wie vor der benötigte Zugang den Bedarfsprognosen. Ähnlich sieht sieht es bei Daten über Materialflussstörungen in der Lieferkette aus, sie fehlen 27% derjenigen, die sie benötigen. Unklar bleibt in der Studie der wichtige Punkt woran dies liegt: An den fehlenden Informationen bei den Partnerunternehmen oder an einem Unwillen diese Daten zu mitzuteilen. Für unzweifelhaft halten die Autoren aber, dass die Corona-Krise gezeigt, dass entlang der Lieferkette ein weiterer Handlungsbedarf für den Austausch von Daten besteht. 

Als praktische Handlungsempfehlungen für Resilienz in der Lieferkette werden verschiedene wichtige Faktoren genannt. Grundlegend ist das Wissen über die eigene Lieferkette sowie über die eigenen Bestände. Darüberhinaus sollten Unternehmen sich damit auseinandersetzen, ob eine breitere Lieferantenbasis bzw. aus unterschiedlichen Regionen ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Störungen bei einzelnen Zulieferern oder in Regionen erhöhen kann. 

Zukunftsweisend wäre eine Kombinationen aus engerer Zusammenarbeit der Lieferkette und fortschreitender Digitalisierung. Dafür bedarf es einerseits Vertrauen und die Bereitschaft zum Datenaustausch damit Transparenz entsteht. Anderseits braucht es eine leistungsfähige technische Infrastruktur für den Datenaustausch.

Quelle: 

Schnelle, J., Schöpper, H., & Kersten, W. Corona: Katalysator für Digitalisierung und Transparenz?.

https://doi.org/10.30844/I40M_21-1_S27-31 

 

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